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Beeidigte Übersetzung für Zivilgerichte in Italien: Reihenfolge, Zeilenzählung und Stempelsteuer

Beeidigte Übersetzung für Zivilgerichte in Italien: Reihenfolge, Zeilenzählung und Stempelsteuer

Wenn Sie fremdsprachige Beweismittel für ein italienisches Zivilverfahren vorbereiten, suchen viele im Internet zunächst nach einer beglaubigten Übersetzung. In der italienischen Gerichtspraxis ist jedoch meist eine traduzione asseverata bzw. traduzione giurata erforderlich – also eine Übersetzung, die nach italienischem Recht vor einem Geschäftsstellenbeamten der Gerichtskanzlei (cancelliere) oder einem anderen zuständigen Justizorgan beeidigt wird. Aus diesem Grund ist ein Übersetzungspaket für italienische Zivilgerichte mehr als nur eine übersetzte PDF-Datei: Es handelt sich um ein gerichtlich vorzulegendes Dokumentenkonvolut mit einer spezifischen Zusammenstellung, Auswirkungen auf die Seitenzählung und präzisen Stempelsteuervorschriften.

Dieser Leitfaden konzentriert sich auf eine zentrale Praxisfrage: Wie wird dieses Übersetzungskonvolut für die Einreichung bei italienischen Zivilgerichten korrekt vorbereitet? Er erhebt nicht den Anspruch, das gesamte italienische Prozessrecht darzustellen. Weiterführende Grundlagen zu Übersetzungen in Gerichtsverfahren finden Sie in unserem Leitfaden für Gerichtsübersetzungen. Die Unterschiede zwischen beeidigten und notariell beglaubigten Verfahren erläutert unser Beitrag zu beglaubigten vs. notariellen Übersetzungen.

Wichtigste Erkenntnisse auf einen Blick

  • In italienischen Zivilverfahren lautet die entscheidende Frage meist nicht „Brauche ich eine beglaubigte Übersetzung?“, sondern „Wann ist eine traduzione asseverata erforderlich und wie wird das Konvolut korrekt zusammengestellt?“
  • Die von zahlreichen Gerichten (Tribunali) öffentlich beschriebene Standardreihenfolge lautet: Ausgangsdokument – italienische Übersetzung – Verbale di giuramento (Beeidigungsprotokoll) – Anlagen. Gerichte wie Brescia und Sondrio veröffentlichen diese Struktur in ihren Kanzleihinweisen.
  • Die Stempelsteuer (Marca da bollo) beträgt regulär 16 EUR pro 4 Seiten (facciate) oder 100 Zeilen, wobei das Verbale di giuramento bei der Zählung üblicherweise mitgerechnet wird. Da die Handhabung von Anlagen je nach Kanzlei variieren kann, empfiehlt es sich, vorab einen Sicherheitsaufschlag einzuplanen und die Vorgaben des konkreten Gerichts zu prüfen.
  • Das beeidigte Übersetzungskonvolut und die PCT-Einreichung sind zwei getrennte Schritte. Das Dokument wird zuerst persönlich beeidigt; erst danach scannt und übermittelt der zuständige Rechtsanwalt die Unterlagen über das Portale dei Servizi Telematici in die elektronische Prozessakte.
  • Gehen Sie nicht davon aus, dass Sie das Paket per Post einreichen oder Stempelmarken direkt im Gerichtsgebäude kaufen können. In der Praxis erfolgt die Beeidigung meist persönlich vor Ort, und die physischen marche da bollo müssen vorab in einer tabaccheria oder einer autorisierten Verkaufsstelle erworben werden.

Für wen dieser Leitfaden gedacht ist

Dieser Leitfaden richtet sich an Personen und Unternehmen, die an einem Zivilrechtsstreit in Italien beteiligt sind und fremdsprachige Beweisdokumente in ein gerichtlich verwendbares, beeidigtes Übersetzungskonvolut überführen müssen. Zu den typischen Lesern zählen ausländische Prozessparteien, Rechtsabteilungen, juristische Fachkräfte sowie Mandanten italienischer Kanzleien, die Dokumente aus dem Deutschen, Englischen, Französischen, Spanischen, Chinesischen oder Russischen ins Italienische einreichen müssen.

Zu den typischen Dokumentenarten gehören Verträge und Anhänge, Rechnungen, Bankauszüge, E-Mail-Korrespondenzen, WhatsApp-Chatverläufe, Vollmachten, Handelsregisterauszüge, unterzeichnete Beweisurkunden und Identitätsnachweise. Das Hauptproblem liegt meist in der Unsicherheit, ob eine einfache beglaubigte Übersetzung genügt, wer die Beeidigung vornehmen darf, wie die Seiten physisch zusammengefügt werden sollten, ob ein einfacher Ausdruck eines Scans anerkannt wird und wie Zeilen- sowie Seitenzahlen die marca da bollo beeinflussen.

Typische Fallstricke und Probleme in Italien

Italien eignet sich nicht für pauschale, standardisierte Vorlagen im Stil internationaler „Certified Translations“. Der nationale Rechtsrahmen ist historisch gewachsen und stabil, doch die praktischen Hürden sind oft sehr lokal geprägt. Verzögerungen entstehen meist dann, wenn fälschlicherweise eine postalische Einreichung beim Gericht angenommen wird, Seiten und Zeilen falsch gezählt werden, Anlagen an falscher Stelle eingeheftet sind, eine zwingende Registereintragung des Übersetzers vermutet wird oder der physische Beeidigungsakt mit der elektronischen Einreichung verwechselt wird.

Die rechtliche Grundlage für beeidigte Übersetzungen geht im Wesentlichen auf das R.D. 9 ottobre 1922, n. 1366, Art. 5 zurück. Leitfäden moderner Gerichte bestätigen die praktische Umsetzung: Der Übersetzer erscheint persönlich vor dem Geschäftsstellenbeamten der Kanzlei (cancelliere), leistet den Eid und legt das Konvolut in einer festen Reihenfolge vor. Gerichte wie Torino und Firenze weisen zudem ausdrücklich darauf hin, dass lokale Bestimmungen, Terminsysteme und Regelungen für Anlagen vorab geprüft werden sollten.

Das Besondere an der italienischen Justiz liegt darin, dass der Zivilprozess im Einreichungswesen stark digitalisiert ist, der Schritt der Traduzione Asseverata jedoch in der Praxis weiterhin oft als physischer Amtsakt vor der Kanzlei vollzogen wird. Auch nach den gesetzlichen Reformbestrebungen Ende 2025 (dokumentiert im Senatsdossier und dem Dossier der Abgeordnetenkammer) weisen viele Gerichtsseiten weiterhin darauf hin, einen Termin zu buchen und Papierunterlagen mitzubringen. Gehen Sie daher nicht ohne Weiteres davon aus, dass ein digitaler Weg an Ihrem Zielgericht in der Praxis bereits flächendeckend genutzt wird.

Der korrekte Aufbau des Übersetzungspakets

Für zivilgerichtliche Zwecke wird das Übersetzungskonvolut üblicherweise in folgender Reihenfolge zusammengestellt:

  1. Ausgangsdokument (Testo originale / copia): Das physische Original, eine beglaubigte Abschrift oder eine Version, die von der zuständigen Kanzlei für die Beeidigung akzeptiert wird. Gehen Sie bei zivilrechtlichen Beweismitteln nicht ohne Rücksprache davon aus, dass ein einfacher Ausdruck eines Scans ausreicht.
  2. Italienische Übersetzung (Traduzione): Vollständige Übersetzung des Ausgangstextes; eventuelle Auslassungen sollten im Text ausdrücklich gekennzeichnet werden.
  3. Beeidigungsprotokoll (Verbale di giuramento): Das vor dem Kanzleibeamten unterzeichnete Eidesprotokoll.
  4. Anlagen (Allegati): Sofern die Kanzlei Anhänge separat führt, folgen diese in der Regel nach dem Eidesprotokoll.

Diese Reihenfolge ist mehr als reine Form: Sie bestimmt, wie der Kanzleibeamte das Paket prüft, wie die Seiten verbunden werden und wie die Stempelsteuer berechnet wird. Die Gerichte von Brescia und Sondrio veröffentlichen entsprechende Leitfäden zur Struktur. Das Formular des Gerichts Brescia enthält auch den klassischen Wortlaut der Eidesformel: Giuro di avere bene e fedelmente proceduto nelle operazioni che mi sono state affidate al solo scopo di far conoscere la verità.

Bei umfangreichen Beweisdossiers ist dies von erheblicher Bedeutung. Ein Vertragskonvolut umfasst oft Anhänge, Signaturseiten, Rechnungen, E-Mail-Verläufe und Screenshots. Werden diese ungeordnet geheftet, muss das Anwaltsteam das PDF-Set vor dem Upload im PCT aufwendig neu strukturieren. Details zu spezifischen Beweisarten finden Sie in unserem Leitfaden zu WhatsApp-Beweisen und unserem Praxisbericht zum Zivilprozess in Modena.

Eidesformel und Neutralitätsanforderungen

Der sicherste Weg besteht darin, die Vorlage des zuständigen Gerichts zu nutzen, sofern dieses ein eigenes Muster für das Verbale di giuramento bereitstellt. Der Wortlaut der Eidesformel ist landesweit bekannt, doch die praktische Vorbereitung sollte sich stets nach den aktuellen Hinweisen des jeweiligen Gerichts richten. Der Übersetzer sollte im Allgemeinen ein unabhängiger Dritter sein. In der Praxis sollten Sie eigene Dokumente nicht selbst beeidigen; auch nahe Angehörige sind für ein gerichtlich vorzulegendes Konvolut in der Regel ungeeignet.

Ein weiteres häufiges Missverständnis betrifft Gerichtssachverständigenlisten: Nach den behördlichen Hinweisen zahlreicher Gerichte muss ein Übersetzer für eine Traduzione Asseverata nicht zwingend in einem speziellen Gerichtsregister (wie dem Albo CTU) eingetragen sein. Wichtiger sind in der Praxis die Unabhängigkeit, das persönliche Erscheinen zur Eidesleistung und die Einhaltung der örtlichen Kanzleivorgaben.

Seitenanzahl, 25-Zeilen-Regel und Stempelsteuer (Marca da Bollo)

Dieser Abschnitt spart in der Praxis die meiste Zeit und vermeidet unnötige Mehrkosten.

Italienische Gerichtsleitfäden geben üblicherweise an, dass die Stempelsteuer mit 16 EUR pro 4 Seiten (facciate) oder 100 Zeilen anfällt, basierend auf dem traditionellen Richtwert von 25 Zeilen pro Seite. Amtliche Kanzleianweisungen stellen zudem klar, dass das Verbale di giuramento bei der Zählung meist mitgerechnet wird. Dies führt häufig zu unerwarteten Kosten, da das Gesamtpaket umfangreicher ist als der reine Übersetzungstext.

Für Zivilprozess-Konvolute ergeben sich daraus vier praktische Grundregeln:

  • Zählen Sie nicht nur die reinen Übersetzungsseiten, sondern das gesamte Konvolut so, wie es dem Gericht vorgelegt wird.
  • Vermeiden Sie es, Text optisch zu stauchen, um Seiten zu sparen – ein sehr dichtes Layout kann dennoch die 100-Zeilen-Grenze auslösen.
  • Gehen Sie nicht davon aus, dass Anlagen grundsätzlich gebührenfrei sind; manche Kanzleien behandeln diese gesondert.
  • Kaufen Sie die erforderlichen marche da bollo rechtzeitig vor dem Termin. Gerichte verkaufen in der Regel keine Stempelmarken am Schalter; sie werden vorab in einer lizenzierten tabaccheria oder autorisierten Verkaufsstelle erworben.

Warum dieses Thema einen eigenen Beitrag verdient: Das Problem der Stempelsteuer ist konkret, standortbezogen und kann teuer werden. Es unterscheidet sich grundlegend von der allgemeinen Frage, ob eine Übersetzung beglaubigt ist. Bei umfangreichen Beweisdossiers schützt eine saubere Formatierung vor unnötigen Nachforderungen. Hier bietet eine fachgerechte Dokumentenvorbereitung vor dem eigentlichen Gerichtsgang einen spürbaren Mehrwert.

Werden Anlagen separat mit Stempelsteuer belegt?

Dies ist einer der wenigen Punkte, bei denen ein überregionaler Leitfaden lokale Unterschiede ausdrücklich ansprechen muss. Der steuerliche Rahmen gilt zwar in ganz Italien, doch die Kanzleipraxis vor Ort kann abweichen. Einige Gerichte verlangen gesonderte Stempelmarken für allegati, andere beschreiben Befreiungen unter bestimmten Voraussetzungen, und wieder andere zählen Anlagen wie gewöhnliche Textseiten.

Für Beteiligte gilt daher: Behandeln Sie Anlagen als individuellen Prüfpunkt, nicht als feste Annahme. Prüfen Sie vor dem Termin die Hinweise auf der Website des zuständigen Gerichts oder im Kanzleimerkblatt. Unklarheiten bei den Stempelmarken können andernfalls dazu führen, dass ein zweiter Termin vereinbart werden muss.

Wie sich das beeidigte Paket in das elektronische PCT-Filing einfügt

Das beeidigte Übersetzungspaket dient der Beweismittelaufbereitung; das PCT (Processo Civile Telematico) ist die Einreichungsinfrastruktur. Es handelt sich um zwei getrennte Prozessstufen.

Nachdem die Übersetzung vor der Kanzlei beeidigt wurde, wird das fertige Paket in der Regel eingescannt und vom Rechtsanwalt oder befugten Einreicher über das PST/PCT-System in die elektronische Gerichtsakte hochgeladen. Das Portal des Justizministeriums stellt hierfür technische Leitfäden und einen PDF-Prüfungsdienst vor der Einreichung bereit. Dieses Werkzeug hilft dabei, technische Formatfehler beim Upload zu vermeiden – es ersetzt jedoch nicht den materiellen Beeidigungsakt.

Merksatz für die Prozessvorbereitung: Die gerichtliche Beeidigung erzeugt den Rechtsstatus des Dokuments; das PCT übermittelt das fertige Dokument in das Gerichtsverfahren.

Terminbuchung, Postversand, Originale und die Gerichtsrealität vor Ort

Auf übergeordneter Ebene sind die Grundregeln einheitlich, die praktische Kanzleiorganisation ist jedoch dezentral. Gerichte wie Turin und Brescia beschreiben öffentlich Terminsysteme, begrenzte Zeitfenster und standortspezifische Vorgaben. Daher ist die Einreichung nicht nur eine sprachliche, sondern auch eine organisatorische Aufgabe.

Für internationale Parteien sind drei praktische Realitäten entscheidend: Erstens ist ein postalischer Versand im Regelfall nicht vorgesehen, da der Beeidigungsakt das persönliche Erscheinen vor dem Kanzleibeamten erfordert. Zweitens verlangen Kanzleien üblicherweise das physische Original, eine beglaubigte Abschrift oder eine andere vom Gericht akzeptierte Fassung des Ausgangsdokuments – ein einfacher Ausdruck eines Heimbüro-Scans reicht oft nicht aus. Drittens müssen Stempelmarken bei papierbasierten Terminen vor Betreten des Gerichtsgebäudes beschafft werden.

Erfahrungsberichte aus der italienischen Praxis zeigen wiederkehrende Hürden:

  • Das Eidesprotokoll wird bei der Stempelsteuerberechnung vergessen.
  • Die Übersetzung ist fachlich einwandfrei, das Konvolut jedoch in falscher Reihenfolge zusammengestellt.
  • Es wird fälschlicherweise angenommen, eine formlose Bestätigung („Certified Translation“) genüge dem italienischen Richter.
  • Es wird zu spät bemerkt, dass die spätere elektronische Einreichung durch den Anwalt den vorherigen Beeidigungsschritt nicht ersetzt.

Diese Praxiserfahrungen decken sich mit dem, was offizielle Gerichtsstellen hervorheben: Struktur, Terminplanung und vollständige Unterlagen.

Kosten und zeitlicher Rahmen

Es gibt keinen einheitlichen Festpreis für das Gesamtverfahren in ganz Italien, da sich die Gesamtkosten aus mehreren Posten zusammensetzen: dem Übersetzungshonorar, dem organisatorischen Aufwand für den Gerichtsgang und der Stempelsteuer (marca da bollo). Der am besten planbare Kostenfaktor ist die gesetzliche Stempelsteuer nach Kanzleipraxis. Die Bearbeitungszeit hängt hingegen primär von den Terminverfügbarkeiten des jeweiligen Gerichts ab.

Bei umfangreichen Aktenbergen entstehen die Hauptkosten oft nicht durch die Übersetzungsklausel, sondern durch die Kombination aus Seitenanzahl, Zeilendichte und Anlagenhandhabung. Eine sorgfältig formatierte Dokumentenvorbereitung ist daher die wirtschaftlichste Grundlage vor dem Gang zum Gericht.

Anbietervergleich: Kommerzielle Dienstleistungen

Anbieter Öffentliches Profil Eignung Wichtige Einschränkung
CertOf Digitaler Dokumentenübersetzungs-Workflow und vorbereitungsgerechte Bereitstellung auf translation.certof.com Erstellung präziser italienischer Fachübersetzungen, Kennzeichnung von Beweisanhängen und formatgerechte Vorbereitung für die Vor-Ort-Beeidigung Tritt nicht als Rechtsanwalt, Gerichtsbeamter oder offizielle Beeidigungsbehörde in Italien auf
Traduzioni Certify Italienischer Anbieter mit Schwerpunkt auf Rechts- und Gerichtsübersetzungen Kunden, die einen Anbieter mit direktem Sitz in Italien für lokale Asseverazioni suchen Prüfen Sie vorab, ob Gerichtsbesuche, Stempelmarkenabwicklung und der gewünschte Gerichtsstandort abgedeckt sind
Oltrelingua Italienische Agentur für Fach- und beeidigte Übersetzungen Mandanten, die lokale Agenturen für gerichtliche Unterlagen vergleichen möchten Klären Sie Sprachkombinationen, Fristen und ob neben der Textarbeit auch die persönliche Eidesleistung am Gericht übernommen wird

Für die meisten Beteiligten empfiehlt sich ein zweistufiges Vorgehen: Zuerst wird die Übersetzung fachgerecht erstellt und formatiert, anschließend wird die lokale Beeidigung koordiniert. Wenn Sie nach Fertigstellung Papierausdrucke benötigen, informieren Sie sich über Optionen für den Dokumentenversand. Zur Vorbereitung unstrukturierter Dokumente nutzen Sie unsere Hinweise zu Upload und Online-Bestellung. Details zu Qualitätsprüfung und Korrekturschleifen finden Sie in den Hinweisen zu Bearbeitungsfristen und Revisionsrichtlinien.

Offizielle Stellen und Beschwerdewege

Stelle Funktion und Nutzen Nicht abgedeckte Bereiche
Tribunale URP (Bürgerservice / Informationsstelle des Gerichts) Auskunft zu Kanzlei-Öffnungszeiten, Terminvergabe, lokalen Formblättern und Kanzleianweisungen Erteilt keine Rechtsberatung und erstellt keine Übersetzungen
PST / PCT-Portal Leitfäden für die elektronische Einreichung und technische Dateiüberprüfung nach erfolgter Beeidigung Ersetzt nicht den materiellen Beeidigungsakt (Asseverazione)
Inspektorat des Justizministeriums (Ispettorato Generale) Beschwerdestelle bei schweren Unregelmäßigkeiten oder Funktionsstörungen des Kanzleidienstes Führt keine Übersetzungen durch und vertritt keine Prozessparteien

Warum dies im digitalen Gerichtsumfeld Italiens entscheidend ist

Italiens Zivilgerichte sind im Bereich der anwaltlichen Einreichung weitgehend digitalisiert, der Schritt der Übersetzungsbeeidigung wirkt in der Praxis jedoch oft noch analog. Diese Schnittstelle verzeiht keine Nachlässigkeiten bei der Formatierung: Wird ein Dokument ohne Berücksichtigung von Zeilengrenzen, Heftungsfolgen oder Anlagenregeln übersetzt, kann ein digitales Einreichungssystem diesen Mangel nicht heilen – es übermittelt lediglich ein unzureichend vorbereitetes Dokument in die Gerichtsakte.

Häufige Fehlerquellen

  • Verwendung des Begriffs „Certified Translation“ anstelle der Frage, ob das Gericht eine traduzione asseverata erwartet.
  • Berechnung der Stempelsteuer allein anhand der Übersetzung unter Auslassung des Eidesprotokolls.
  • Die Annahme, Anlagen seien grundsätzlich stempelsteuerfrei.
  • Gleichsetzung des elektronischen PCT-Uploads mit dem eigentlichen Beeidigungsakt.
  • Einsatz von Selbstübersetzungen oder Übersetzern aus dem Kreis der Verfahrensbeteiligten.
  • Zu dichte Textformatierung, die rechnerisch die 100-Zeilen-Grenze überschreitet und zusätzliche Gebühren auslöst.
  • Erscheinen vor Gericht ohne das erforderliche physische Ausgangsdokument bzw. die vom Gericht akzeptierte Fassung.
  • Der Versuch, Stempelmarken direkt am Gerichtsschalter kaufen zu wollen.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Leitfaden dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Rechtsberatung dar. Italienische Gerichte können standortspezifische Kanzleianweisungen erlassen, und digitale Neuerungen der Reformen von Ende 2025 sind möglicherweise noch nicht an jedem Gericht im Alltag umgesetzt. Informieren Sie sich vor einem Termin über die aktuellen Vorgaben des zuständigen Gerichts und stimmen Sie die Beweisführung bei wichtigen Dokumenten mit Ihrem italienischen Rechtsbeistand ab.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Benötige ich für ein italienisches Zivilverfahren eine beglaubigte oder eine beeidigte Übersetzung?

Für die meisten gerichtlichen Verwendungszwecke in Italien ist der Begriff beeidigte Übersetzung (traduzione asseverata oder traduzione giurata) zutreffender. „Certified translation“ ist vor allem ein englischer Sammelbegriff.

Wie lautet die übliche Dokumentenreihenfolge im italienischen Übersetzungskonvolut?

Öffentliche Leitfäden zeigen meist folgende Reihenfolge: Ausgangsdokument, italienische Übersetzung, Eidesprotokoll (verbale di giuramento) und abschließend etwaige Anlagen. Prüfen Sie stets die Hinweise des jeweiligen Gerichts, falls dieses ein eigenes Formular bereitstellt.

Zählt das Beeidigungsprotokoll bei der 4-Seiten-Stempelsteuerregel mit?

In der Regel ja. Kanzleivorgaben rechnen das Eidesprotokoll üblicherweise bei der Festlegung der marca da bollo mit ein, weshalb die Gebühren oft höher ausfallen als gedacht.

Muss der Übersetzer zwingend in einer Gerichtsliste (Albo CTU) eingetragen sein?

Öffentliche Hinweise mehrerer Gerichte zeigen, dass eine spezielle Registereintragung für eine Traduzione Asseverata nicht immer zwingend erforderlich ist. In der Praxis kommt es vor allem auf die Unabhängigkeit und das Einhalten der örtlichen Kanzleivorgaben an.

Werden Anlagen separat mit Stempelsteuer belegt?

Teilweise. Der nationale Steuerrahmen ist einheitlich, doch die Handhabung von Anlagen kann in lokalen Kanzleianweisungen variieren. Prüfen Sie die Vorgaben des konkreten Gerichts vor dem Termin.

Ist das beeidigte Paket identisch mit der PCT-Einreichung?

Nein. Das Paket wird zuerst beeidigt. Erst danach scannt und übermittelt der Rechtsanwalt oder autorisierte Einreicher die Datei über das PCT in die elektronische Prozessakte.

Kann das Übersetzungspaket per Post an das italienische Gericht geschickt werden?

Nein, dies ist kein regulärer Ablauf. Die asseverazione erfordert in der Regel das persönliche Erscheinen des Übersetzers vor dem Kanzleibeamten zur Leistung und Unterzeichnung des Eides. Nach der Beeidigung erfolgt die Einreichung durch den Anwalt digital.

Muss das physische Originaldokument vorgelegt werden oder reicht ein Scan-Ausdruck?

Sie sollten sich darauf einstellen, dass das Gericht das physische Original, eine beglaubigte Abschrift oder eine ausdrücklich zugelassene Fassung verlangt. Ein einfacher Ausdruck eines Scans birgt das Risiko der Zurückweisung; prüfen Sie daher die Kanzleihinweise vorab.

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